In diesem Beitrag möchte ich dir Schritt für Schritt erklären, wie unsere Psyche funktioniert und wie wir das Ganze für uns nutzen können.

Denn erst, wenn du dich selbst verstehst, erkennst du die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

DEIN SELBSTBILD

Was ist überhaupt dein Selbstbild und wie ist es entstanden?

Durch deine Erlebnisse und Erfahrungen in deinem Leben haben sich nach und nach bestimmte Glaubenssätze im Kopf festgebrannt. Dabei ist es deiner Psyche vollkommen egal, ob diese positiv oder negativ auf dich einwirken, ob sie real oder nur erfunden sind, denn das größte Ziel deiner Psyche ist es, dich zu erhalten und von jedem Schaden abzuhalten.

Das Problem an diesen Programmierungen ist, dass wir dieses Selbstbild nicht mehr hinterfragen. Somit laufen wir ein Leben lang mit den Glaubenssätzen herum, die zwar gut waren im Kindesalter, jedoch als Erwachsener fehl am Platz sind. Immerhin laufen wir ja auch nicht mehr in Kinderklamotten rum.

Unsere Psyche steckt somit weitere Erlebnisse immer gleich in bestimmte Schubladen, damit sie stressfreier und schneller auf Ereignisse reagieren kann. Es spart viel Energie für uns, wenn wir Entscheidungen nur noch unterbewusst treffen.

Auch hier ist es tückisch, da wir unsere Handlungen nur noch selten hinterfragen. Phrasen wie „Das haben wir schon immer so gemacht.“ „Das klappt eh nicht.“ „Ich bin einfach nicht sportlich.“ „Über Geld spricht man nicht.“ sind dabei keine Seltenheit, sondern ein Anzeichen eines automatischen Programmes, das bei uns unterbewusst abläuft.

Aber ist es möglich, diese Glaubenssätze zu ändern bzw. wie lange dauert das Ganze, bis du dich davon befreit hast?

Grundlegend musst du wissen, dass man einen Glaubenssatz nicht ausradieren kann. Was allerdings sehr wohl funktioniert, ist, diese negativen Sätze durch positive, dir hilfreiche Affirmationen, zu ersetzen.

Je jünger dieser Glaubenssatz bei dir im Kopf ist, desto leichter ist es auch, diesen wieder aus deinem Kopf mit einem anderen zu ersetzen.

Meist ist es aber so, dass wir bestimmte Muster jahrelang oder sogar jahrzehntelang in uns einprogrammiert haben. Daher wird es auch etwas länger dauern, bis du diese durchbrichst.

Aber eines kann ich dir definitiv versprechen! Es lohnt sich extrem für dich, den alten Ballast aus dem Kopf zu entfernen und nach und nach durch neue, nützliche Inhalte zu ersetzen. Wann immer dich nun ein alter, negativer Glaubenssatz trifft, unterbrich ihn und ersetze ihn mit einer für dich passenden Affirmation.

Eine weitere nützliche Methode, die du anwenden kannst, um schnell dein Selbstbild effektiv zu ändern, ist der sogenannte Rollenwechsel.

Wie soll ich jetzt auf einmal Schauspieler werden oder was?

Ja so ungefähr kannst du es dir vorstellen, denn immerhin spielst du sicher schon einige verschiedene Rollen in deinen Leben. Als Arbeitnehmer, als Vater bzw. Mutter, als Kollege, als Freund, als Kind deiner Eltern.

Jedes Mal, wenn du eine bestimmte Rollen einnimmst, verändert sich auch dein Verhalten, um in den Situation bestmöglichst (oder soll ich lieber sagen „am einfachsten“) zu funktionieren.

So wie du eine andere Rolle instinktiv annimmst, kannst du dir auch eine eigene Rolle schaffen. Am Anfang wird es sich sehr ungewohnt für dich anfühlen. Aber wenn du auch die äußeren Umstände, wie zum Beispiel deine Kleidung, mit anpasst, wird dir dieser Schritt viel leichter fallen.

Wenn du jetzt den Gedanken hast, dass das Ganze doch falsch wäre, getreu dem Motto „Fake it till you make it“, kann ich dich beruhigen.

Du wirst dich nämlich zum Beispiel erst dann wie ein Coach fühlen, wenn du auch die Sachen machst, die ein Coach macht.

Dich so anziehst, wie sich Coaches anziehen.

Dich so verhältst, wie sich Coaches verhalten.

Dieser Vorgang dauert solange, bis es sich in deiner Psyche normal anfühlt. Irgendwann wirst du es nicht mehr hinterfragen und je mehr Leute dich bestätigen, desto felsenfester wird deine neue Überzeugung werden.

Du denkst doch auch nicht: „Wenn ich mich fitter fühle, dann fange ich mit dem Sport an.“

Erst wenn du anfängst Sport zu machen, wirst du dich auch sportlicher fühlen. Es funktioniert einfach nicht, es dir nur vorzustellen und zu träumen. Du musst auch Taten sprechen lassen.

KOMPENSATIONEN

Was sind überhaupt Kompensationen?

Kennst du das Gefühl, wenn du nach einem völlig stressigen Arbeitstag nach Hause kommst? Du bist fertig und dein Stresslevel ist am Anschlag.

Jetzt möchtest du nur noch eins machen… abschalten mit Netflix und einer großen Tüte Chips. Dies ist eines von vielen Beispielen für Kompensation.

Aber warum müssen wir kompensieren?

Unser Körper verträgt nur eine bestimmte Menge an Stress und wenn das Maximum überschritten wurde, muss unsere Psyche kompensieren, um den Stresslevel wieder zu senken. Um uns diesen stressigen Situationen nicht stellen müssen, fangen wir an zu kompensieren. Wir lenken uns ab, betäuben uns, um einfach nicht genau hinschauen müssen. Eigentlich ein ganz einfaches und praktisches Prinzip, wenn man es erst mal für sich verstanden hat.

Ein Teufelskreis wird es erst dann, wenn man sich zum Beispiel zu dick fühlt, es aber mit Essen versucht zu kompensieren. Ich selbst fühlte mich lange Zeit in meinem eigenen Körper unwohl und wenn dieses Gefühl zu stark wurde, kompensierte ich es mit großen Mengen an Snacks.

Das Ganze hat leider auch einige Haken.

Stress wird für uns bei jeder von uns bewusst gesetzten Entscheidung erzeugt, bei jeder Handlung, die uns aus der Komfortzone treibt und bei jeder ungewohnten Situation. Auch bei Ereignissen, die spontan scheinen (positiv wie negativ).

Das zweite Problem am Stress ist, dass wir nicht wissen, wieviel wir zunächst davon aushalten. Entweder halten wir uns zu sehr zurück und kommen nicht voran, oder wir überfordern uns so stark, dass es zu einem Abfuck kommt und wir dieses Projekt auf Eis legen wollen.

Ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel wir wirklich dauerhaft leisten können, ohne uns zu überanstrengen, dauert ein wenig. Im Kapitel „Die Mitte treffen“ wirst du noch mehr dazu lesen.

Aber kann man das nicht verhindern? Ich meine, ständig mit unsinnigen Sachen kompensieren, kann ja nicht die Lösung sein.

Ja, das geht definitiv. Aber dafür musst du dir Pausen zwischen den Arbeiten einteilen, in denen du positiv kompensierst. Also Sachen machst, die dich nicht stressen und dir Freude bereiten. Dies geht allerdings nur, wenn du das Maximum deines Stresslevels noch nicht erreicht hast.

Gute Kompensationen wären zum Beispiel:

Powernaps von 10-20 Minuten, ein entspanntes Bad nehmen, Füße hochlegen und Musik hören, ein Buch lesen (am besten eines, durch das man nichts lernt). Einige Zeit kompensierte ich sogar mit kurzen Laufrunden.

Dir werden sicher noch mehr gute Beispiele einfallen, womit du sonst noch kompensieren kannst.

Wichtig hierbei ist, dass du die Kompensation nicht schlecht redest und sie dir wirklich gönnst, denn sonst wird sie nicht sehr viel bringen.

Wenn du ein Nickerchen einlegst und dir gleich einredest „Boah, hätt ich jetzt nicht geschlafen, wäre ich schon viel weiter gekommen.“ zerstört es die Wirkung und du fängst nur an, dich unnötig selbst zu geißeln. Im Kapitel „Vernunft und Emotion“ werde ich dir noch mehr dazu erklären.

Am besten ist es natürlich, das Problem an der Wurzel zu packen und den Stress erst gar nicht aufkommen zu lassen. Hierbei kannst du zum Beispiel Gewohnheiten und Routinen aufbauen, um möglichst viele Alltagsentscheidungen aus deiner Woche zu entfernen.

Auch, wenn du dir über dich selbst sicher bist, was du willst und wofür du stehst, werden typische Entscheidungen von dir automatisch und unterbewusst getroffen. Auch hierzu habe ich gute Tipps für dich im Kapitel „Aktionen als Gewohnheiten“.

ZUSTÄNDE

Die Zustände, Launen oder auch Gemütszustände sind ein Spiegel unserer aktuellen Emotion.

Je nachdem wie wir uns fühlen, handeln und denken wir anders.

Wenn du schlecht gelaunt bist, wirst du auf nichts Bock haben und lieber daheim in Ruhe gelassen werden.

Wenn du gut drauf bist, wirst du gerne etwas mit Freunden unternehmen.

Wenn du motiviert bist, hast du Bock, dein Projekt umzusetzen.

Wenn du wütend bist, geht dir alles auf den Sack und du möchtest am liebsten deine Wut rauslassen.

Wenn du hier eine Brücke zu den Kompensationen siehst, ist es kein Zufall. Auch hier versucht unsere Psyche extreme Zustände wieder zu begradigen.

Aber denkst du, du kannst deinen Zustand von jetzt auf gleich ändern?

Von depressiv zu hochmotiviert? Nein?

Dann lass mich dich das Gegenteil beweisen. Ich möchte dich in eine Situation mitnehmen, die du sicher auch schon mal erlebt hast.

Wie so oft planten meine Freunde einen Kinobesuch. Die Wahl des Filmes überließ ich jemand anderem, denn ich war eigentlich nicht in der Laune, mit rauszugehen. Ich ließ mich dazu überreden, mitzumachen, obwohl ich anfangs erst zögerte.

Im Kino angekommen, holten wir die Karten und schon allein vom Titel des Filmes war ich mehr als wenig angetan. „Der Abend ist gelaufen.“, dachte ich mir.

Wir holten Nachos und gingen die Treppen rauf zu unseren Sitzplätzen.

Aber Kinosäle haben mich schon immer fasziniert. Die Betreiber schafften es, mit der großen Leinwand, der Aufmachung und dem gewaltigen Sound, die Besucher zu 100% auf den Film zu fokussieren.

Der Film fing an und begeisterte mich extrem. Ich war fasziniert davon, wie die Regisseure es schafften, mich in die Geschichte zu reißen.

Nach dem hervorragenden Film war ich sehr euphorisch, motiviert und aufgedreht. Mein Zustand hatte sich extrem gehoben und diese Laune hielt noch für einige Stunden an.

Kommt dir das bekannt vor?

Wichtig ist, zu wissen, dass wir jeden Zustand selbst beeinflussen und bewusst erzeugen können. Egal ob Trauer, Wut, Zorn, Freude, Motivation oder auch Lust. Wir können somit steuern, wie wir uns fühlen wollen und dies hat sehr positive Auswirkungen auf uns.

Wenn wir uns nämlich selbst entscheiden, wie wir uns fühlen wollen, sind wir kein Spielball unserer Gefühle mehr. Wir entscheiden uns bewusst, wie wir uns jetzt fühlen wollen und wie wir auf die Geschehnisse im Leben reagieren.

Du kennst sicher auch diese Menschen, die anscheinend immer gut gelaunt sind. Das kann entweder davon kommen, dass sie sich selbst gut beeinflussen können oder ihre einprogrammierten Glaubenssätze dies sehr stark untermauern.

Aber wie kannst du nun deinen Zustand aktiv verändern?

Es gibt einige Hilfsmittel, die dir helfen, schnell von einem Zustand auf einen anderen zu wechseln. Zuerst musst du dir natürlich darüber im Klaren sein, dass dies funktioniert, aber gut, dass wir das schon geklärt haben.

Um dich aktiv in einen anderen Zustand zu bringen, wendest du am besten eines oder gleich mehrere dieser Hilfsmittel ein:

Powerposen einsetzen und Körperhaltung ändern (Fäuste ballen, Arme hochwerfen, selbstbewusst dastehen, Kopf nach oben und Hände in die Seiten stemmen, selbstbewusst grinsen.).

Mit Musik, Fotos oder Videos sich gezielt in einem bestimmten Zustand bringen (Motivationsvideos, anregende oder gefühlvolle Musik, Bilder von Sachen, für die du brennst und unbedingt haben willst).

Auch durch positiven Affirmationen kannst du dich super in eine andere Laune begeben. Such dir dafür selbst die passenden Affirmationen, die dich in die Stimmung bringen, die du für deine jetzige Situation benötigst.

Wenn es die Umstände erfordern, kannst du natürlich auch mehrere Hilfsmittel kombinieren, um den Effekt zu verstärken und um es dir leichter zu machen, gezielt den Zustand zu erzeugen.

DER KERNZUSTAND

Wenn du morgens aufwachst, sollte dein Kernzustand ideal geladen sein. Du müsstest gut gelaunt und ausgeschlafen aus dem Bett springen und dich auf den Tag freuen, der dich erwartet.

Wie, das ist bei dir nicht der Fall?

Das Problem ist, dass die meisten Menschen ein Leben führen, das aus negativen Umständen und Problemen besteht. Gleich nach dem Aufstehen bootet unsere Psyche hoch und lädt gleich wieder alle Umstände und wichtigen Aufgaben in den Kopf, die wir noch nicht erledigt haben. Die Alarmglocken schrillen permanent mit Aufgaben, die wir auf keinen Fall vergessen dürfen. Der hektische Alltag und die ungeliebte Arbeit geben uns den Gnadenstoß. So leben wir von Tag zu Tag und hoffen darauf, dass uns etwas aus dieser Situation rettet.

Wer meinst du, ist glücklicher?

Ein Mensch, der seine Ziele anpackt, einen tollen Partner an seiner Seite hat, eine Berufung hat, die ihn erfüllt und mit so viel Geld versorgt, dass er sich keine Sorgen machen muss… oder jemand, der in seinen ungeliebten Job geht, der ihm gerade so viel einbringt, dass er nicht Hunger leiden muss. Und der zusätzlich noch einen Partner an der Seite hat, der alles Negative an ihm auslässt und ohne Ziele sein Leben verbringt.

Ist doch relativ eindeutig, oder? Und welche dieser Punkte kannst du selbst beeinflussen?

Dein Kernzustand ist sozusagen deine grundlegende Stimmung, die dir zugrunde liegt. Je besser dein Leben verläuft und je weniger ungelöste Probleme du hast, desto besser ist dein Kernzustand.

Wenn dein Leben aber geprägt ist von negativen Ereignissen, Entscheidungen, die du vor dir hinschiebst und Problemen von denen du glaubst, ihnen nicht gewachsen zu sein, desto schlechter ist dein Kernzustand.

Diese Grundstimmung wird sehr viel von deinem kompletten Tag ausmachen und selbst kleine Veränderungen oder Zielsetzungen scheinen unmachbar für dich. Jedes weitere Problem wirkt wie ein Weltuntergang auf dich. Kennst du folgende Sätze?

„Warum ausgerechnet das auch noch?“ „Warum immer ich?“

„Warum ist die Welt so ungerecht?“ „Habe ich noch nicht genug gelitten?“

Die Welt kommt dir unsagbar ungerecht vor, denn das Einzige, das du zurückbekommst, sind schlechte Resultate.

Wichtig ist für dich zu wissen, dass ein anhaltender, schlechter Kernzustand dazu führt, dass du Kompensationsgewohnheiten aufbauen wirst. Du beginnst, mit schlechten Angewohnheiten, die du nicht mehr kontrollieren kannst und die schon in Fleisch und Blut übergehen. Das abendliche Leeren der Chipspackung wird zu einer festen Routine im Leben und mit ihr alle negativen Folgen, die es für dich bereithält. So, wie es bei mir eine lange Zeit war.

Ja, ist ja gut und recht… aber wie komme ich da raus?

Genauso wie jeden Zustand, kannst du auch deinen Kernzustand verändern. Dabei helfen dir unter anderem als schnelle und kurzfristige Hilfe die Mittel aus dem vorigen Kapitel.

Jedoch solltest du auch unbedingt deine vier Lebensbereiche analysieren, um zu erkennen, woher deine großen Probleme kommen.

Hast du Bedürfnisse, die dringend gestillt werden sollten?

Gibt es große Baustellen in deinem Leben, die unbedingt deine Aufmerksamkeit brauchen?

Hast du wichtige offene Entscheidungen, denen du dich einfach nicht stellen willst?

Sei ehrlich zu dir selbst und frag dich, wo deine echten Probleme sind.

Wenn du die großen Herausforderungen in deinem Leben angehst und diese anfängst zu bewältigen, werden dir die großen Lasten von den Schultern genommen. Dir wird es erheblich besser gehen und die Verbesserung deines Kernzustandes wird sich auf alle Bereiche deines Lebens ausweiten.

Setze dir selbst Ziele und arbeite an ihnen konsequent, bis du deine Probleme gelöst und das erreicht hast, was du vom Leben erwartest. Werde dir klar über dich selbst und deine Bedürfnisse.